Tal, Tradition, Töchter Viceroy Bali und die Geschichte einer Familie, die im Tal der Könige Wurzeln schlug

Manche Orte beginnen nicht mit einem Bauplan, sondern mit einer Ahnung – mit dem Moment, in dem jemand innehält und ein Stück Land ansieht, als würde es zurückblicken. Genau so begann die Geschichte von Viceroy Bali: auf dem Rücksitz eines Motorrads, mitten durch die Reisterrassen nördlich von Ubud, entdeckte Margaret Bainbridge gemeinsam mit ihrem Bruder eine schroffe Dschungelschlucht, die sich hinter den Feldern auftat wie ein gut gehütetes Geheimnis. Seit 2005, seit über zwei Jahrzehnten, ist daraus ein Refugium gewachsen – bis heute vollständig in Familienhand, was in Bali längst zur Seltenheit geworden ist.
Zwei Geschichten wachsen hier ineinander wie die Wurzeln zweier alter Bäume. Die eine erzählt von Margaret, die sich in Bali verliebte und blieb, um aus einer Vision mit eigenen Händen ein Zuhause zu bauen. Die andere gehört Badjra, dem balinesischen Bauern, dem das Land einst gehörte: Er verkaufte sein Reisfeld – und blieb trotzdem, als Gärtner, bis heute. Sein Wissen um jeden Winkel des Bodens ist so sehr Teil des Ortes wie die Villen selbst. Und längst ist eine dritte Geschichte hinzugekommen: Amanda, Margarets Tochter, in Ubud aufgewachsen mit dem Klang von Reisfröschen vor der Haustür, führt das Haus heute mit derselben Aufmerksamkeit fürs Detail weiter, mit der ihre Mutter es einst erschuf.
Auch baulich bleibt Viceroy seiner Herkunft treu. Das Anwesen thront auf einem schmalen Grat über der Schlucht des Flusses Petanu – jenem Tal, das die Balinesen ehrfürchtig das „Tal der Könige” nennen, weil hier einst Grund und Boden des Königreichs Peliatan lagen. Dicht gedeckte Alang-Alang-Dächer, handgeschlagene Steinmauern, ein drei Meter breites, von lokalen Handwerkern geschnitztes Wandbild balinesischer Tänzerinnen im Empfangspavillon: Nichts hier wirkt aufgesetzt, alles gewachsen. Ringsum falten sich die Reisterrassen ins Grün, dahinter schimmert an klaren Tagen die Silhouette des Vulkans Agung – und mittendrin, fast unsichtbar zwischen den Villen, ein eigener Helikopterlandeplatz. Ein leiser Luxus, kein lauter.
Wer anreist, braucht kaum Geduld: keine zehn Minuten vom pulsierenden Zentrum Ubuds entfernt liegt Viceroy dennoch wie hinter einem Vorhang verborgen – eine kurze Fahrt, die sich anfühlt wie ein Szenenwechsel.
Manche Träume bleiben Träume. Dieser hier wurde zu einem Zuhause – und wird nun, mit der zweiten Generation am Ruder, zu einer Geschichte, die weitergeht. Ein guter Grund, selbst einmal vorbeizuschauen.



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