Ahorn, Atem, Andacht Die Kunst, den Herbst in seinen kleinsten Jahreszeiten zu schmecken

Es gibt Städte, die zählen die Zeit nicht in Monaten, sondern in Nuancen. Kyoto ist eine davon: Wo andernorts vier Jahreszeiten genügen, unterscheidet die alte Kaiserstadt vierundzwanzig Sekki – und jede davon noch einmal in drei feinere Phasen, kaum länger als fünf Tage. Genau in diesem Rhythmus atmet auch das Six Senses Kyoto, das seit 2024 mitten im Tempelbezirk Higashiyama liegt und seiner mikro-saisonalen Küche im hauseigenen Restaurant „Sekki” sogar den Namen dieses Zeitgefühls gegeben hat. Wer im Herbst kommt, trifft auf jene Wochen, in denen sich Kyoto selbst kaum wiederzuerkennen scheint – jeden Tag ein bisschen mehr.

Ende Oktober etwa beginnt jene Phase, die auf Japanisch schlicht „Momiji Tsuta Kibamu” heißt: Ahorn und Efeu färben sich gelb. Es ist kein Ereignis, das man verpasst, weil es sich ankündigt – es geschieht in der Luft selbst. Morgens riecht es nach feuchtem Moos und kaltem Stein, nach Räucherstäbchen aus dem Toyokuni-Schrein nebenan, der seinen Weihrauch bis in den Innenhof trägt. Auf dem Teller erscheinen zur gleichen Zeit Kastanien, Matsutake-Pilze und die ersten Kaki-Früchte – erdig, leicht bitter, mit jener Süße, die erst nach dem ersten Frost kommt. Und auf der Haut: die Kühle des Morgens, die einen unwillkürlich langsamer gehen lässt, noch bevor der erste Tempelbesuch beginnt.

Ein guter Teil dieser Aromen wächst nur wenige Schritte vom Teller entfernt. Der hauseigene Kräutergarten, auf einem einst brachliegenden Nachbargrundstück angelegt, verändert mit jeder Sekki auch seinen eigenen Duft: Im frühen Herbst liegt noch Basilikum und Shiso in der Luft, im Oktober weicht das einer erdigeren Note aus Ingwerwurzel und Chrysanthemenblättern, die in der japanischen Küche traditionell mit der beginnenden Kälte gereicht werden. Geerntet wird oft erst Stunden vor dem Servieren – so schmeckt jedes Gericht nicht nach einer Jahreszeit im Allgemeinen, sondern nach genau diesem einen Tag.

Genau das macht den Aufenthalt hier zu mehr als einem Ortswechsel: ein Innehalten im eigenen Tempo, mitten in einer Stadt, die selbst kaum zur Ruhe kommt.

Die Küche folgt diesem Kalender so genau, dass sich das Menü von Woche zu Woche verschiebt; wer zwei Mal im Herbst kommt, isst nie zweimal dasselbe.

Manche Jahreszeiten dauern nur fünf Tage. Genau deshalb lohnt es sich, sie nicht zu verpassen. Wir helfen Dir bei der Planung – ein Anruf genügt!



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