Ode an den See DiaMonde Mamis am Tegernsee

Im Leben gibt es sie so oft, die Zeit davor und die Zeit danach. Die tiefgründigste dieser Erfahrungen ist wohl in Bezug auf das „Eltern werden“ – in dieser Zeit danach macht das Leben Salto Mortales und dreifache Toeloops und nichts ist wie es einmal war. Mit allem arrangiert man sich neu, die persönlichen Interessen wandern oft in eine verbeulte Kiste, von der man hofft, dass man nicht vergisst, wo man sie versteckt hat. All dies natürlich zu einem der besten Zwecke, die man sich vorstellen kann … dennoch, nicht selten wünscht man sich sein „altes“ Leben für einen Augenblick zurück um einfach das mal wieder tun zu können, wofür nur man selber brennt.

Ich persönlich brenne für die Reiserei, die Welt war stets mein Zuhause, je weiter weg, desto besser. Nie bin ich irgendwo zweimal gewesen. Und auf gar keinen Fall wählte ich Luxushotels als Domizile aus, viel eher fand man mich in Hängematten-Camps oder authentischen B&Bs. Land und Leute kennen zu lernen – auf möglichst nicht invasive Art – war bei jeder Reise mein Motto.

Das war vor Noah …

Nun recherchiere ich bei der Urlaubsplanung Kinderbetreuungszeiten, Babyausstattungen, wähle aus nach Familienfreundlichkeit und kurzen Anreisezeiten. Immer offen für Neues, habe ich mich auch in Kinder- und Familotels eingebucht und sogar den ein oder anderen Cluburlaub ausprobiert. Ich will nicht sagen, mir hätte etwas missfallen, aber gefehlt hat mir immer das, was für mich die Essenz des Reisens ausmacht  – mit neuen Erfahrungen wieder nach Hause zurückzukommen und davon lange Zeit zu zehren, mit den Erinnerungen an WOW-Erlebnisse die Zeit bis zum nächsten Mal zu überbrücken.

Soviel zur Vorgeschichte.

Es war Anel’s Eingebung, die uns an den Tegernsee brachte. Es sollte sonnig werden, und warm, an diesem verlängerten Wochenende im Juni. Wir sehnten uns beide danach, Zeit mit unseren Kindern zu verbringen, die Tapeten zu wechseln, die Nasen in die Sonne zu recken und sich mal nicht um alles kümmern zu müssen.

Ins Bachmair Weissach zu fahren ist für mich wie nach Hause zu kommen. Hört sich kitschig an, wie aus einer Marketingbroschüre, aber ich meine es so. Ich kenne dieses Hotel und seine guten Geister seit 4 Jahren, habe es in Transformation erlebt und durfte seinen glorreichen Aufstieg in den Olymp der alpenländischen Hideaways begleiten. Das erste Mal war ich hier mit Noah im Bauch, seitdem immer wieder, fast immer mit Kind. Meine Tipps von den ersten Besuchen, mit Noah Kinderwagen habe ich an Anel weitergegeben und mich daran erfreut zu sehen, wie zwei Südafrikaner mit dem Kinderwagen den heimischen Wallberg erklimmen.img_3873

Noah, nun dreieinhalb Jahre alt, ist zu einem energiegeladenen Entdecker herangewachsen und war bereit für die nächsten Herausforderungen außerhalb des Kinderwagens.

Diese zu finden und zu meistern war der Inhalt unserer 4 Tage am Tegernsee. So haben wir die guten Geister befragt, die einheimischen Mitarbeiter von unserem Bachmair Weissach, die zum guten Teil selber ihre Kindheit am Tegernsee verbracht haben und für uns in Kindheitserinnerungen kramten. Herausgekommen ist ein prall gefüllter Ausflugsplan rund um den See mit lauter Geheimtipps, die ab sofort wohl nicht mehr ganz so geheim sind ….

Wie so oft, liegt das Gute nah, man muss es eben nur mit Kinderaugen betrachten. So war ein tägliches Ritual, den Paraglidern und Drachenfliegern, die vom Wallberg starten und auf einer grünen Wiese im Tal landen, stundenlang zuzuschauen – sei es auf dem Berg oder im Tal. Bei gutem Wetter sind die Flieger omnipräsent und entlocken den Kindern quietschige Freudenschreie.

Ein anderes war der Besuch bei der Forellenaufzucht in Wildbad-Kreuth. Vom Parkplatz führt ein ebener Weg am Gebirgsbach entlang zu der besten geräucherten Forelle, die ich je gekostet habe. Dieser eignet sich bestens dafür, seinem Kind die Stützräder vom Fahrrad abzumontieren und zu jubeln, wenn es das Gleichgewicht halten kann. Ob des nicht geteerten Waldweges empfiehlt sich allerdings die Mitnahme von Desinfektionsspray und Pflastern.img_4399

Die Einheimischen haben übrigens meist so etwas immer vorsorglich mit dabei …

Die Kunst, Kinderaugen glänzen zu lassen, liegt in der dramaturgischen Zusammenstellung der Erlebnisse – und in der Verfügbarkeit von Eisdielen. Aber das ist ein anderes Thema.

Unsere persönliche Dramaturgie führte uns nach Gmund, an den Ölberg. Die Sommerrodelbahn ist eine coole Nummer, Zehnerkarte und angrenzender Biergarten erlaubten immer einem Elternteil, auszuspannen und die Nase in die Sonne zu strecken. Für Klettermaxe bietet der benachbarte Kletterwald den nötigen Thrill. Offiziell erst ab 5 Jahren – aber wer jünger ist, darf auch, da nimmt man es mit den Zahlen nicht so genau. Der Chef dort will nur sehen, ob ein Kind fit ist – und wenn es den Augentest besteht, dann kann es losgehen. Eine sehr anstrengende Herausforderung, die Noah trotz anfänglichem Protest gut meisterte.img_4436

Ein Highlight für jedes Alter ist die Weissach, der zauberhafte Gebirgsbach, der unserem Hotel vor über 150 Jahren seinen Namen gab. An seinem Ufer kann man alles machen: joggen, radeln, Gassi gehen, walken, Kinderwagen schieben, baden, kuscheln, Dämme bauen und Steine werfen, stundenlang und kilometerweit. Man kann direkt einsteigen, keine 10 Meter vom Hoteleingang entfernt, oder man fährt ein Stück mit dem Auto oder Rad und findet eine romantische Stelle im Grünen.img_4494

Ein Arm der Weissach namens Mühlbach fließt im Übrigen mitten durch das Hotel (für die, die partout nicht vor die Tür gehen wollen), rauschend und mit bibi-kaltem Gebirgswasser prall gefüllt. Ein bisschen davon hat man umgeleitet in einen Naturpool direkt im Garten. Für die ganz Tapferen. Die anderen gehen in den neuen Außen-Whirlpool. Betriebstemperatur: badewannenwarm und der abendliche Hit bei allen 0-6-jährigen Wasserratten.

Das Bachmair Weissach will kein Familienhotel sein, will nicht in diese Schublade gesteckt werden, ist es doch viel mehr als nur das. Aber: es ist einfach perfekt für einen Aufenthalt mit Kindern. Liegt wahrscheinlich mit daran, dass unser Eigentümer aus einem Erfahrungsfundus von vier Kindern schöpfen kann. Familienfreundlich ist hier kein Prädikat, es ist Teil der DNA des Hotels. Genau das ist es, was die Gäste spüren – bei inkognito-Befragungen am Pool habe ich nur Lob vernommen, ausnahmslos jedem gefällt es hier.

Eigentlich hatten wir abgeschrieben, dass Noah sich jemals in einer Kinderbetreuung abgeben lassen würde. Wir hatten es wirklich versucht in den letzten Urlauben: auf Deutsch und Italienisch, in teuren Skiresorts, mit Freunden verreist bis hin zur Geheimwaffe Roby Club. Es war nichts zu holen. Noah wollte nicht. Basta. Bis an dem magischen Abend im Bachmair Weissach …. er ist geblieben und wollte bei Abholung nicht mehr weg. Der ultimative Glücksmoment!

Den dramaturgischen Höhepunkt fanden wir – wie sollte es auch anders sein – auf dem See. Eine Seerundfahrt mit dem großen Ausflugsdampfer hatten wir Anel empfohlen, sicherlich ein Muss für den ersten Besuch am Tegernsee. Dies hatten wir schon vor 3 Jahren hinter uns gebracht, nun wollten wir selber fahren. In jedem der verträumten kleinen Gemeinden rund um den See gibt es einen Verleih an Booten aller Art – nicht motorisiert, denn private, dieselbetriebene Motorboote sind seit Jahren schon nicht mehr auf dem Tegernsee erlaubt. Im Örtchen Bad Wiessee sind wir fündig geworden: Parkplatz, Eisdiele, saubere Toiletten, Spielplatz und Bootsverleih im Radius von 100 Metern.

Das ist der Stoff aus dem Elternträume gemacht sind!

Die nächsten 45 Minuten auf dem See in einem Elektroboot (Kostenpunkt: €15!) waren für Noah der absolute Höhepunkt dieser Kurzreise. Vor Glück japsend durfte er der Kapitän sein und das Boot über den See lenken, nach Lust und Laune kurbeln und Pirouetten drehen. fullsizerenderUnd wir? Saßen auf der Rückbank, aneinander gekuschelt, mit dem Blick auf ein glückseliges Kind, einen malerischen See und die sanften Hügel des Alpenvorlandes und dachten uns insgeheim: Glücksmomente dauern am Tegernsee wirklich einfach etwas länger!

Ich gebe zu, ich habe mittlerweile die Hängematten-Camps gegen Luxusdomizile getauscht, es ist einfach bequemer und ich werde älter. Und doch freue ich mich, meinem Sohn diese wunderschöne Welt zu zeigen, ihn zu einem Globetrotter zu machen und ihn das Reisen schätzen zu lehren. Und bis wir in die weite Welt aufbrechen, ist es schön zu wissen, dass wir im Bachmair Weissach eine zweite Heimat gefunden haben und stets wiederkehren können.

Es ist und bleibt das einzige Hotel in dem ich privat nicht nur einmal war …

Ein herzliches Dankeschön an das Team Bachmair Weissach von Anel, Stephan, Ellie, Jens, Noah und mir (Natasa) für die unvergessliche Zeit!img_4458

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